Rosazea

 

Im Winter niedliche rote Apfelbäckchen – da denkt doch fast jeder automatisch: «Was ist

die Haut schön prall und frisch, so gut durchblutet…» Oft ein grosser Irrtum. Denn

tatsächlich sind die Rotbäckchen häufig ein frühes Warnzeichen dafür, dass die oberste

Hautschicht ihre Schutzfunktion einbüsst, anfälliger auf eine Rosazea wird. Das hat jetzt eine

Studie des renommierten Universitätskrankenhaus Herlev-Gentofte in Kopenhagen entdeckt.

Die chronische Hautkrankheit beginnt oft mit plötzlichen Rötungen im Gesicht, die als

«Flush» wie eine Welle hochbranden. Die Haut ist trocken, oft schuppig, brennt, sticht,

spannt und juckt. Mal mehr, mal weniger stark, weil Rosazea in Schüben auftritt.

 

Das Immunsystem spielt verrückt

Je nach Schweregrad kommt es zu drastischen Veränderungen vor allem auf Wangen, Nase,

Kinn und Stirn: spinnennetzartige Äderchen, Papeln, eitrige Pusteln, sogar knotige

Verdickungen bis hin zur Knollen oder Kartoffelnase (med; Rhinophym). Etwa fünf bis sieben

Prozent der Erwachsenen sind von der entzündlichen Erkrankung betroffen, bei der feine

Äderchen im Gesicht erweitert sind. Frauen trifft sie häufiger als Männer. Meist tritt Rosazea

im dritten Lebensjahrzehnt auf, erreicht ihren Höhepunkt im Alter zwischen 40 und 50

Jahren. Ihren Beinamen «Fluch der Kälte» trägt sie, weil vor allem West- und Nordeuropäer

mit heller Haut daran erkranken. Die genauen Ursachen sind noch nicht abschliessend

erforsch. Sicher ist, dass bei 30 bis 40 Prozent der Patienten das Leiden in der Familie

vorkommt. Fest steht auch, dass sich auf der Gesichtshaut mehr Haarbalg-Milben (lat.

Demodex folliculorum) tummeln als bei anderen Menschen. Sie gelten als Auslöser der

Entzündungsreaktionen. Unter dringendem Verdacht steht ausserdem ein Immunsystem

ausser Rand und Band. Wird die Haut durch viel UV-Strahlen, Alkohol, Nikotin, scharfe

Gewürze, Stresshormone, heisse Duschen und Getränke gereizt, produziert es

Verteidigungsmoleküle. Diese antimikrobiellen Cathelicidine erweitern die Gefässe. Närrisch

reagiert die Abwehr auch auf Nahrungsmittel mit bestimmten Aroma-Aldehyden, z.-b. in

Tomaten, Schokolade, Gebäcke oder Süssigkeiten. Das zeigt eine Studie des Baylor College

of Medicine in Houston, Texas.

 

Die Darm-Haut-Achse gezielt stärken

Auffällig ist auch, dass Rosazea-Patienten überdurchschnittlich häufig unter Darm-

Erkrankungen wie Zöliachie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa leiden. Oder an einer

Gelbesiedlung des Dünndarms mit Dickdarm-Bakterien. Werden die Darmbeschwerden mit

Antibiotika behandelt, lässt auch die Rosazea kurzfristig nach. Heilbar ist sie jedoch nicht.

Aber der Wirkstoff Metronidazol hemmt Entzündungen beruhigt die Haut. Ebenso

Ivermectin, das zusätzlich Demodex-Milben abtötet. In schweren Fällen kommen das

Antibiotikum Doxycyclin oder das hormonähnliche Isotretinoin zum Einsatz. Das oft fleckige,

gerötete Hautbild, lässt sich heute gut mit einem neuartigen IPL-Laser verbessern. Er

verschweisst durch kontrollierte Lichtimpulse die Blutgefässe, verödet sei, die Hautrötung

nimmt ab. Ganz neue Hoffnung, eine Rosazea optimal zu kontrollieren, bietet aber eine

konsequente Umstellung der Ernährung – damit eine Stärkung der Darm-Haut-Achse.

 

Werden Trigger wie z.B. Heissgetränke, scharfe Saucen oder Scharfstoff Capsaicin, z.B. in

Cayenne-Pfeffer, vermieden, nehmen Rötungen um sagenhafte 95 Prozent ab, berichtet die

National Rosacea Society in Barrington, Illinois. Besonders empfehlenswert ist eine

ballaststoffreiche Ernährung, die das Wachstum eines gesunden, vielfältigen Mikrobioms im

Darm fördert. Also z.B. Amarant, Zwiebeln, Lauch Hafer, Artischocken, Chicorée. Obendrein

sollten probiotische Lebensmittel auf den Tisch kommen: z.B. Joghurt, Kefir, Miso,

Sauerkraut, Kimchi. Und weil für die Hautkrankheit Entzündungen verantwortlich sind, sollten

weniger Zucker, Weizenmehl, Fleisch auf den Tisch kommen. Absolut entscheidend: immer

reizarm essen.

 

 

 

Dr. Matthias Riedel

Magazin: Iss dich gesund, Ausgabe 04.2020